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10/2008
Abigail Lazkoz und Fernando Renes

Abi und Fernando, 2008


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Seit der Idee von Homie hängt dort ein Bild von Fernando Renes über dem Esstisch, auf dem Hirsche zwei Menschen verspeisen. Renes und die spanische Künstlerkollegin Abigail Lazkoz leben und arbeiten in einer gemeinsamen Wohnung in Brooklyn. Passenderweise freut sich Homie die beiden Künstler in seiner Wohnung für die Ausstellung Abi und Fernando beherbergen zu können. Abigail Lazkoz zeigt zwei großflächige Tuschezeichnungen aus der Serie One Hundred and Thirty Thousand Years More, 2006/08. Fernando Renes stellt eine Auswahl seiner handgemalten Animationen The Table Land, 2005, Instant Gratification, 2001, und Everything Matters, 2001, aus. Natürlich reichen die Zeichnungen und Videos der Künstler über das „Heim“ hinweg, in das Ich hinein, kulturelle und historische Weiten durchquerend. Die Künstler kreieren mit verschiedenen Stilen und Interessen geheimnisvolle, ironische, schwarze und humorvolle Geschichten.

Fernando Renes produziert animierte Filme mit der Hingabe eines Malers von beleuchteten Manuskripten. Jeder Film ist handgemalt, Bild für Bild, Hunderte von einzelnen Aquarellen und Zeichnungen vereinend. Die Animationen erinnern sowohl an Trickfilme aus den Siebzigern als auch an experimentelles Kino mit Referenzen zum Surrealismus und Philip Guston. Die Bilder bewegen sich von geistigen Höhenflügen bis hin zu intimen und mentalen Prozessen, Obsessionen und Störungen. Wie eine Serie von verflochtenen Erzählungen dahinrollend, bilden die animierten Sequenzen die fragile Konstruktion des Ichs nach, wobei die Abdrücke der Erinnerung einen Grad von Nostalgie durchleben, der sich aus der Unfähigkeit des Zurückgehens, weder in die Vergangenheit, die Kindheit noch den Anfang, ergibt. (1)

'farbreichen Bildern zeigen Lazkoz' Tuschezeichnungen den Querschnitt eines Friedhofes, der eine Reihe von Charakteren in kompromitierenden Arrangements enthüllt. Obwohl die Grabsteine mit direkten und einfachen Botschaften verziert sind, erreichen die Zeichnungen Komplexität beim Anschauen des Inhalts der Gräber und der Message gleichzeitig. Lazkoz vereint schwarzen Humor und Existentialismus, um soziale, politische und historische Bezüge herzustellen. Ort und Zeit sind unklar; altertümliche Kulissen sind mit zeitgenössischen Charakteren, deren Kulturen, Gedanken und Neurosen gepaart. Obwohl Laskoz' Arbeit gegenwärtige soziale und staatliche Politik beinhaltet, ist sie ebenso stark von der traditionellen spanischen Malerei beeinflußt. Diese Serie ist eine klare Homage an die Tradition der metaphysischen Stillleben der spanischen Malerei, besonders der von Juan Sanchez Cotán (ca.1560-1627), Francisco de Zurbarán (1598-1664) and Francisco de Goya (1748-1828), u.a. Lazkoz behält diesen traditionellen Ansatz bei, indem sie Farbe aus ihrer Arbeit heraushält, da, wie sie sagt, schwarz und weiss eine „genügsame Sprache passend zu einer Kriegswirtschaft“ darstellen. Jede Zeichnung, streng formal und akribisch detailiert, ist eine Kombination aus Unbehagen, Kampf und psychologischer Komplexität; immer pessimistisch und immer ein Fünkchen Hoffnung mitführend, macht Laskoz einen gelungenen Spagat zwischen Ironie und Ehrlichkeit. (2)

Fernando Renes (*1970 in Spanien) lebt und arbeitet in New York. Weitere Infos: Distrito Cu4tro, Madrid (www.distrito4.com) und Quadrado Azul, Porto-Lisboa (www.quadradoazul.pt).

Abigail Lazkoz (*1973 in Spanien) lebt und arbeitet in New York. Weitere Infos: (monyarowegallery.com).

(1) Iria Candela
(2) Monya Rowe